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Tele-Dialog (Diplomarbeit, 5:10min 2005)
 

    

    

    

    

 

Der Diplomfilm „Tele-Dialog“ beschäftigt sich mit der Sprache „einfach gestrickter“ Fernsehsendungen. Die Tonebene des Videos setzt sich aus Phrasen und Floskeln aus dem Fernsehen zusammensetzt, welche zu einer neuen Gesprächs-Collage montiert wurden. Dabei geht es nicht um einen konkreten Inhalt, sondern um den emotionalen Ausdruck, um starke Gefühle.
„Tele-Dialog“ ist ein schwarz-weiss-gestrickter Trickfilm, der Bild für Bild mittels einer Strickmaschine (Brother KR 850) gefertigt wurde. Anschließend wurden die über 800 Einzelbilder gebügelt, gestärkt, aufgespannt, digital abfotografiert und am Computer zum Video zusammengesetzt.
Zu sehen ist ein Fernsehgerät, in welchem sich zwei schemenhafte Figuren streiten. Nach und nach entfernt sich die Kamera vom Monitor und zwei FernsehzuschauerInnen werden sichtbar. Mit der Zeit passen die Beiden ihre Gestik dem Fernsehgespräch an, sie verstricken sich in die Fernseh-Realtität.
Als BetrachterInnen des Videos schlüpfen wir in eine besondere Rolle: wir betrachten das Betrachten, werden zu "Beobachtern zweiter Ordnung".
Unser Bedürfnis nach Fernsehen ist Ausdruck unserer Lebenseinstellung und unseres Verhältnisses zur Welt - diese wiederum wird umstrukturiert und beeinflusst durch das Fernsehen.
Das Video „Tele-Dialog“ ist eine Weiterführung von Themen, die mich schon seit längerem beschäftigen, dazu zähle ich das sprachliche Interesse, das Thema Fernsehen, sowie die Kombination von tradtionellen Techniken mit neueren Medien.


Download der schriftlichen Diplomarbeit als .pdf (13,5 MB)
Download der Quellenangaben der Ton-Collage (TV-Phrasen) als .pdf (32KB)
Das Video "Tele-Dialog" kann im Menüpunkt "Galerie" in der Rubrik "Video"
angeschaut werden. Dort finden sich auch alle weiteren Videos.
 

Die Diplompräsentation fand am 16.6.2005 in Linz im O.K Centrum für Gegenwartskunst statt

     

      

      

      

 

„Tele-Dialog“ verbindet mehrere Schwerpunkte, die ich schon seit längerem verfolge.
Das Video verbindet mein Interesse an Sprache, an den Eigenschaften des Fernsehens, sowie an textilen Techniken.
Der Diplomfilm „Tele-Dialog“ ist ein schwarz-weiß-gestrickter Animationsfilm, der Bild für Bild mittels einer Strickmaschine (Brother KR 850) gefertigt wurde. Jedes Einzelbild besteht aus 40 Maschen in der Breite und 30 Reihen in der Höhe und entspricht somit dem 4:3-Seitenverhältnis, welches üblicherweise im Fernsehen verwendet wird.

Die über 800 gestrickten Einzelbilder wurden gebügelt, gestärkt, aufgespannt, digital abfotografiert und am Computer zu einem 5:10-minütigen Video zusammengesetzt.

„Tele-Dialog“ beschäftigt sich mit der Sprache „einfach gestrickter“ Fernsehsendungen. Die Tonebene des Videos setzt sich aus Phrasen und Floskeln aus dem Fernsehen zusammensetzt, welche zu einer neuen Gesprächs-Collage montiert wurden. Dabei geht es nicht um einen konkreten Inhalt, sondern um den emotionalen Ausdruck, um starke Gefühle. Der Ton stammt aus Nachmittags- und Vorabend-Unterhaltungssendungen (unter anderem aus Daily Soaps, Talk Shows, Richter-Sendungen, Ermittler-Formaten) diverser deutschsprachiger Sender.Zu sehen ist ein Fernsehgerät, in welchem sich zwei schemenhafte Figuren streiten. Im weiteren Verlauf des Videos entfernt sich die Kamera immer weiter vom Monitor, die Umgebung - eine Wohnsituation - und zwei Personen werden sichtbar, die das Geschehen im Fernseher beobachten. Mit der Zeit passen die Beiden ihre Gestik dem Gespräch im Fernsehen an, sie verstricken sich in die Fernseh-Realität. Das TV-Gerät tritt immer weiter in den Hintergrund, bis nur mehr die beiden „realen“ Personen zu sehen sind, die aber weiterhin zur Fernseh-Gesprächs-Collage agieren, welche sich TV-typisch zu einem Happy-End hin entwickelt.

Meine Diplomarbeit ergab sich unter anderem aus meiner Sammel-Leidenschaft für Phrasen und Floskeln, die ich aus verschiedensten Fernsehsendungen extrahiert habe, um sie anschließend zu kleinen Geschichten zusammenzusetzen. Bei „Tele-Dialog“ handelt es sich aber um keine wirkliche Erzählung, da die beiden HauptdarstellerInnen bei ihrem exzessiven Streitgespräch viel mehr als „Phrasendrescher“ denn als argumentativ Kommunizierende agieren.

Durch die Vermischung der Sätze aus den unterschiedlichen Sendungen führt das Video „Tele-Dialog“ jenen Effekt weiter, der beim Fernsehen durch Zapping entstehen kann. Sätze aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen können losgelöst vom ursprünglichen Kontext plötzlich durchaus zusammenpassen.
Wie bei TED-Umfragen können FernsehzuschauerInnen bislang prinzipiell nur mit Ja oder Nein auf das TV-Angebot reagieren, indem sie sich mittels Fernbedienung für oder gegen eine Sendung entscheiden und unter Umständen den Kanal wechseln. Dies spiegelt sich auf der Tonebene bei „Tele-Dialog“ wieder. Auch das Phänomen, dass im Fernsehen mehr und mehr die Konfrontation von Personen statt der Konfrontierung ihrer Argumente inszeniert wird, versucht das Video zu verdeutlichen.

Die Furcht vor und der Wunsch nach Außergewöhnlichem bescheren uns Fernsehsendungen, die einerseits die schlimmsten vorstellbaren zwischenmenschlichen Konflikte zum Thema haben und andererseits immer einen erlösenden Schluss bieten, der den Konsens wieder herstellt, der die Zuschauerinnen wieder in ihre sichere und vertraute Welt entläßt.

Unser Bedürfnis nach Fernsehen ist Ausdruck unserer Lebenseinstellung und unseres Verhältnisses zur Welt - dieses wiederum wird umstrukturiert und beeinflusst durch das Fernsehen.
Raymond Williams weist darauf hin, dass das Fernsehen als Medium sozialer Kommunikation eine derartige Machtposition erlangt habe, dass es viele unserer Institutionen und sozialen Beziehungen verändere. Des Weiteren würde es als elektronisches Medium unsere „grundlegende Wahrnehmung von Realtität und insofern auch unsere Beziehungen untereinander und mit der Welt“ verändern.
Neil Postman hat den Gedanken der Inszenierung von Realität nach dem Vorbild der Medienwelt folgendermaßen formuliert:

Das Fernsehen ist für unsere Kultur zur wichtigsten Form der Selbstverständigung geworden. Deshalb - das ist der entscheidende Punkt - wird die Art wie das Fernsehen die Welt in Szene setzt, zum Modell dafür, wie die Welt recht eigentlich aussehen sollte. Es geht nicht bloß darum, dass das Entertainment auf dem Bildschirm zur Metapher jeglichen Diskurses wird. Es geht darum, dass diese Metapher auch jenseits des Bildschirms dominiert. Wo früher Buchdruck den Stil im Umgang mit Politik, Religion, Wirtschaft, Bildung, Recht und anderen wichtigen Angelegenheiten der Gesellschaft vorschrieb, gebietet heute das Fernsehen.

Als BetrachterInnen des Videos „Tele-Dialog“ schlüpfen wir in eine besondere Rolle: Wir betrachten das Betrachten, werden zu Beobachtern zweiter Ordnung und können vielleicht durch den Abstand einen anderen Blick auf unsere Fernsehgewohnheiten werfen.

 

HERZLICHEN DANK!

Armin und Maria Schubert-Kastner

Albert Waaijenberg

Margit Nobis
Bettina Steinmaurer

Kunstuniversität Linz, Experimentelle Visuelle Gestaltung:
Andrea Van der Straeten
Matthias Klos
Robert Pfaller
Herbert Lachmayr
Peter Skokan

Caritas für Menschen mit Behinderungen, St. Elisabeth
, Linz:
Wolfgang Scheidl, Silvia Roider, Helga Zauner,
Christine Mitterhuber, Klaudia Finkenzeller, Janja Lozancic,
Erika Brandstetter, Eva Pointinger, Heidi Harringer,
Katharina Küllinger, Nathalie Seckl und Sabine Hummer

O.K Centrum für Gegenwartskunst
, Linz:
Genoveva Rückert
Georg Seyfried
Rainer Jessl